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Verlauf der Kasteler Landwehr
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Die
Kasteler Landwehr Die
Flörsheimer Warte war einer vor vier Wachtürmen, die zum Schutz der Kasteler
Landwehr errichtet worden sind. Der 1484 zum Mainzer Kurfürsten und Erzbischof
erhobene BERTHOLD VON HENNEBERG hatte noch im Jahr seines Regierungsantritts
den kurfürstlichen Baumeister HENNE MOR damit beauftragt eine Landwehr
zum Schutz der kurmainzischen Dörfer Kastel, Kostheim, Hochheim und Flörsheim
anzulegen. HENNE MOR galt als einer der wichtigsten Architekten des Kurfüstentums
Mainz. Unter anderem war er für den Bau der alten Martinsburg verantwortlich,
dem Vorgängerbau des kurfüstlichen Schlosses in Mainz am Rhein.
Das Errichten von Landwehren, zwei bis drei Meter breiten Anlagen aus Graben und mit Bäumen und Hecken bepflanztem Wall, war typisch für die Zeit um 1500. Die regierenden Fürsten oder auch freien Städte zogen durch Landwehren eine "Grenze" um ihr Territorium und machten damit Hoheitsansprüche geltend. Gleichzeitig wirkten die Landwehren "richtungsweisend": Nur noch bestimmte Straßen führten in ein oder aus einem Territorium. Diese Wege waren von den Wachtürmen aus zu übersehen und zu kontrollieren. Darüber hinaus dienten die Landwehren in Zeiten, in denen das Fehdewesen noch existierte und Söldner und Landsknechte über Land zogen, dem Schutze der Bevölkerung, hatten also zugleich defensiven Charakter.
Die Kasteler Landwehr war durch vier Warten gesichert. Die Mosbacher Warte kontrollierte den Weg nach Biebrich und Wiesbaden, die Kasteler Warte war zum Schutz der Straße nach Erbenheim angelegt, die Hochheimer Warte stand an der "Steinern Straße " bzw. "Elisabethentraße", die von Kastel nach Diedenbergen führte. Die Flörsheimer Warte, mit dem geographisch interessantesten Standort, überblickte die Straße von Hochheim nach Wicker und die Straße von Flörsheim nach Wicker sowie den Mainlauf und die Mainübergänge. Spätestens mit der Eingliederung der rechtsrheinischen Kurmainzer Dörfer in das Nassauische Fürstentum im Jahre 1803 verlor die Landwehr ihren Sinn. Die Gräben wurden zum Großteil eingeebnet, die Hecken abgeholzt, die Warten dem Verfall preisgegeben. Was von der Flörsheimer Warte noch übrig geblieben war, wurde 1817 von dem Mainzer Kaufmann CRAMER auf Abriß ersteigert. Die Steine wurden zu einer Mauer verbaut, die er um ein 1807 ersteigertes Weingut in Wicker anlegen ließ. Das Fundament der Flörsheimer Warte blieb bis heute in der Erde erhalten.
Die neue "Flörsheimer Warte" ist ein Bau unserer Zeit. Obwohl man bei Sondierungsgrabungen das Fundament der alten Flörsheimer Warte gefunden hatte, entschloß man sich, dieses nicht anzutasten, und den neuen Turm in unmittelbarer Nähe zu errichten: Als zeitgemäße Neuinterpretation des nicht mehr vorhandenen Bauwerks hält sich die neue "Warte" in der baulichen Gestaltung an das historische Vorbild, präsentiert im Inneren aber ein modernes Raumgefüge. Auch das Material greift durch die Verwendung von Kalktuff-Naturstein das historische Baumaterial auf, die Betonlaibungen der Fenster und der Tür sowie das Titanzink-Dach des Turms sollen jedoch die Sprache des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts sprechen. Die Wiedererrichtung der Flörsheimer Warte steht im Zusammenhang mit den Aktivitäten des Umlandverbandes Frankfurt (UVF) hin zu einem "Regionalpark", dem Versuch, die Freiräume zwischen den Städten des Rhein-Main-Gebiets zu sichern, auszubauen und in ihrer Vielfältigkeit zu präsentieren. Dazu gehört die Vernetzung von Naherholungsgebieten und Landschaftszonen ebenso wie die Sichtbarmachung historisch gewachsener Strukturen. Diesen Ideen des Regionalparks ist das Nutzungskonzept der Warte verpflichtet: In erster Linie ist die neue "Flörsheimer Warte" ein Aussichtsturm, von dem aus sich die Region in ihrer Vielfältigkeit übersehen läßt. Bei klarem Wetter sind die Hänge von Taunus und Odenwald, der Rheingraben und die Mainebene genauso zu erkennen wie die "Skyline" der Frankfurter Wolkenkratzer, die Starts und Landungen der Düsenjets auf dem Frankfurter Flughafen und die Mülldeponie. Eine Region wird in ihrer Schönheit, aber auch in ihrer Zergliedertheit und in ihren Spannungen erfahrbar. Architekt der neuen Warte ist der Limburger Baumeister FRANZ-JOSEF HAMM, der rheinland-pfälzer Bildhauer Prof. GERNOT RUMPF gestaltete das Portal, den Treppenlauf, Teile der Dekoration, sowie den die Warte "bewachenden" hessischen Löwen. Errichtet und finanziert wurde der Neubau der "Warte" von der GRKW, der "Gesellschaft zur Rekultivierung der Kiesgrubenlandschaft Weilbach". Sie ist ein Zusammenschluß der Städte Flörsheim und Hattersheim sowie des Main-Taunus-Kreises und des Umlandverbandes Frankfurt. Die Regionalpark-Rhein-Main-GmbH hat das Vorhaben finanziell unterstützt.
"Tempora mutantur - et nos in illis" - "Die Zeiten ändern sich und wir uns in ihnen", sagt ein altes römisches Sprichwort, das noch heute gilt. Was vor rund 500 Jahren als "Grenze" und "Schutz" erbaut wurde, dient heute als einladende Landmarke Flörsheims. Sie bietet dem Interessierten Information, dem Spaziergänger oder Radfahrer Rast, sie eröffnet neue Ausblicke und bietet bei Rheingauer Wein die Möglichkeit zum Gespräch. Den Flörsheimer Traditionen und seiner Geschichte verbunden ist sie offen für alle, die sich einen "Überblick" über die Rhein-Main-Region in ihrer Vielfalt verschaffen möchten. Fühlen Sie sich eingeladen!
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