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Wander-
Vom Abenteuerspielplatz zur Engels- und Obermühle |
Die Flörsheimer Schweiz Nicht nur in den Sommermonaten, sondern eigentlich zu jeder Jahreszeit bietet sich ein Spaziergang in der sogenannten Flörsheimer Schweiz an, d.h. vom Stadtteil KeramaglFalkenberg aus, entlang des Wicker- und Mühlbachs zur Kriegergedächtniskapelle und zurück.
Stadtteil Keramag/Falkenberg Der Stadtteil Keramag/Falkenberg hat eine alte und junge Geschichte zugleich. Eine alte Geschichte, insofern der Unterlauf des Wickerbaches, der hier in den Main fließt, spätestens seit dem 16. Jahrhundert ein beliebter Standort für Mühlen war. In der Nähe des heutigen Stadtteils lagen zudem die Steinbrüche, aus deren Steinen die Flörsheimer Häuser erbaut wurden. Modern gesprochen, lag hier das "industrielle Herz" des alten Flörsheim. Die eigentliche und damit junge Geschichte des Stadtteils begann aber erst 1912, als - zusammen mit dem Werk der KeramAG - eine Siedlung für die dort beschäftigten Arbeiter entstand. Mit dem Werk wuchs die Siedlung; entscheidend vergrößerte sich der Stadtteil dann allerdings nach dem 2.Weltkrieg, als viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene hier eine zweite Heimat fanden. 1982 schlossen die Keramischen Werke AG ihre Flörsheimer Fabrik. Das Betriebsgelände wurde in einen Industriepark umgewandelt. Die ehemalige Wohnsiedlung wandelt sich, vor allem nach erneuten Wohnbaumaßnahmen im Eigenheimbereich, zu einem Stadtteil.
Am besten beginnt man die Wanderung entlang der Flörsheimer Mühlen am Abenteuerspielplatz (1) der Stadt Flörsheim, der sich im Osten an den Stadtteil Keramag/Falkenberg anschließt. Eine Spiellandschaft und eine Grillhütte laden hier zum Picknick und zu Spaß für die ganze Familie ein. Läuft man nun an der Straße nach Norden, so unterquert man nach ca. 400 Metern die alte Landstraße nach Hochheim. Kurz vor der Unterquerung sieht man auf der rechten Seite eine kleine Kapelle (2) liegen. Bei der sogenannten "Kapelle an der Ziegelhütte" handelt es sich um ein einfaches, kastenförmiges Gebäude von ungefähr 2,8 x 2,8 m. Über dem Torbogen der Kapelle war lange das Zeichen "H.G. 1741" zu lesen, wobei die Initialen H.G. für den Namen des Erbauers H. GOTTRON standen, dem Besitzer einer hier im 18. Jahrhundert angesiedelten Ziegelei. Die Ziegelei selbst fiel im 20. Jahrhundert Straßenbauarbeiten zum Opfer, nur die Kapelle erinnert noch an das für die damalige Zeit bekannte Unternehmen. Unterqueren wir nun die Stra8e nach Hochheim, so können wir linkerhand auf einer Straßeninsel die Reste alter Brennöfen (3) erkennen. Wahrscheinlich gehörten die Brennöfen ebenfalls zur Ziegelhütte, die auch Kalk brannte: Beim Flörsheimer Kirchenbau ab 1766 wird ein Ziegler Gottron als Kalklieferant genannt. Bleiben wir aber auf unserem Weg, werden in der geraden Verlängerung der Straße schon Gebäudeteile der sogenannten Obermühle (4) sichtbar. Sie ist die einzige der zahlreichen Mühlen am Unterlauf des Wickerbachs, die auch heute noch in Betrieb ist. Die Mühle ist seit dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts nachweisbar und war zeitweise im Besitz des Frankfurter Dominikanerklosters. In direkter Nachbarschaft der Obermühle stand über Jahrhunderte die Engelsmühle (5). Sie wurde vom 18. Jahrhundert bis zum beginnenden 20. Jahrhundert als Glasur- und Schlickermühle der Flörsheimer Fayence Fabrik genutzt. Heute ist von der ganzen Anlage nur noch ein Gebäudeteil erhalten, der vom Besitzer der Obermühle als Scheune benutzt wird.
Hinter der Obermühle teilt sich der Weg. Für einen Spaziergang ist die Abzweigung links zu empfehlen, die entlang des Mühlbachs führt. Man darf sich nicht wundern, wenn man auf diesem sonst eher romantischen und im Sommer schattig zugewachsenen Weg gelegentlich auf Betonreste am Boden stößt. Während des 2.Weltkriegs lagen hier Abwehrbatterien zur Verteidigung des Rhein-Main-Gebiets in Stellung und haben diese Erinnerungen zurückgelassen. Nach ca. 200 Metern ist am Weg eine Ruhebank aufgestellt. Blickt man nun nach rechts den Hang hinauf, kann man ein Sandsteinkreuz (6) erkennen. Es markiert die alte Richtstätte, den sogenannten Hexenberg. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts sind auch in Flörsheim über 40 Frauen und Männer dem Hexenwahn zum Opfer gefallen. Etliche davon sollen am Hexenberg hingerichtet worden sein. Das heutige Kreuz ließen JOHANN JAKOB KOHL und seine Ehefrau ANNA GERTRUD 1750 aufsteIIen. Folgen wir dem Mühlbach weiter, so erreichen wir nach 600 Metern die Straße zur Wiesenmühle. Biegen wir auf ihr nach links ab, so führt uns der Weg nach 500 Metern zum alten jüdischen Friedhof (7), laufen wir nach rechts, so erreichen wir nach 200 Metern die alte Wiesenmühle (8), heute eine beliebte Ausflugsgaststätte. Ein jüdischer Friedhof ist für Flörsheim seit 1448 belegt. Er wird im ältesten, noch erhaltenen Gerichtsbuch der Stadt erwähnt. Juden sind in Flörsheim freilich schon seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar. Im 16. Jahrhundert mußten alle Juden das Kurfürstentum Mainz verlassen, der alte Judenfriedhof verwaiste. Nach dem 30jährigen Krieg durften sich Juden in Kurmainz zwar wieder ansiedeln, ihre Toten mu8ten sie aberauf dem Mainzer Judensand begraben. Erst die Pest von 1666 erzwang erneut eine Bestattung vor Ort, denn es wäre zu gefährlich gewesen, die Toten über Land zu fahren. Es ist wahrscheinlich, dass die Flörsheimer Juden ihren alten Friedhof aus dem 15. Jahrhundert wieder benutzten. Seit dem 17. Jahrhundert diente jedenfalls die noch heute vorhandene Anlage der Flörsheimer jüdischen Gemeinde als Begräbnisstätte. 1938 wurde der Friedhof durch die Nationalsozialisten geschändet, die Grabsteine wurden umgeworfen oder zerstört. 1947 ließ die Gemeinde Flörsheim die Anlage jedoch wieder herstellen und noch vorhandene Grabsteine wieder aufrichten. Eine Gedenktafel erinnert an die Leiden auch der Flörsheimer Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Wiesenmühle hat, wie auch schon die Ober- und die Engelsmühle, eine Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. 1699 von einem gewissen JAKOB KIEFER erbaut, erwarb sie schon 25 Jahre später der Mainzer Weihbischof EDMUND GEDULD ZU JUNGENFELD, in dessen Familie sie bis nach dem 2.Weltkrieg blieb. Sehr häufig wurde die Mühle deshalb auch "Bischofsmühle" genannt. Der letzte Pächter, JOSEF THOMAS, eröffnete 1928 in der Wiesenmühle eine Ausflugsgaststätte, die die Familie nach dem Kauf des Anwesens 1949 noch erweiterte. Mittlerweile wird der Betrieb in der vierten Generation geführt. Vor der Wiesenmühle biegt ein Weg nach rechts ab. Am Ende der kurzen, aber steilen Strecke kann man schon die Anna-Kapelle (9) erkennen.
Der einfache, ca. 3 x 3 Meter große Bau, der vom Baustil an die schon erwähnte "Kapelle an der Ziegelhütte" erinnert, wurde 1715 als Kapelle der Wiesenmühle errichtet. Die Kapelle gab der Flörsheimer Weinbergslage "St. Anna-Kapelle" ihren Namen. Schlägt man hinter der St. Anna-Kapelle den Weg ein, der nach rechts führt, d.h. nach Norden, so gelangt man auf einem idyllischen Spazierweg von knapp 2 km Länge zur Krieger-Gedächtnis-Kapelle (10). Die Kapelle wurde von 1925 bis 1928 zur Erinnerung an die im 1. Weltkrieg gefallen Flörsheimer errichtet. Freilich dient sie heute auch als Mahnmal für die Toten Flörsheims und seiner Stadtteile im zweiten Weltkrieg. Bei schönem Wetter hat man von der Terrasse, die der Kapelle vorgebaut ist, einen Blick bis hinüber nach Frankfurt und in den Odenwald. Wenige Meter weiter findet man den zur Erinnerung an den Abzug der französischen Besatzung 1930 errichteten sogenannten "Befreiungsstein" (11) und einen weiteren Rastplatz mit schöner Aussicht. Hier stand auch die historische Flörsheimer Warte, ein Wach- und Aussichtsturm, der im 15. Jahrhundert unter dem Mainzer Kurfürsten und Erzbischof BERTHOLD VON HENNEBERG errichteten Kasteler Landwehr. Nur wenige Meter vom historischen Standort entfernt, lädt ab 1996 eine neue "Flörsheimer Warte" (12) die Wanderer zur Rast ein. Ein moderner, von der Gesellschaft zur Rekultivierung der Kiesgrubenlandschaft Weilbach mbH (GRKW) erbauter Aussichtsturm, der jedoch die historische Warte zitiert, bietet Fernsicht in die Region, von Frankfurt bis Mainz und Wiesbaden.
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