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Brunnen-
Das Bad in kurfürstlich mainzischer Zeit |
Rundgang durch Bad Weilbach Das heutige Bad Weilbach, in den letzten 15 Jahren von der Stadt Flörsheim zu ihrem wichtigsten Naherholungsgebiet ausgebaut und zu einem der Kernpunkte eines zukünftigen Regionalparks Rhein-Main geworden, läßt wieder etwas von der Bedeutung erahnen, die es im 19. Jahrhundert für die umliegenden Orte besaß. Mit großen Summen aus der Stadtkasse und durch private Investoren ist es gelungen, dem Bürger von heute diesen für die Geschichte der Kur- und Badetradition des 19. Jahrhunderts wichtigen Ort wieder erfahrbar zu machen.
Bekannt waren die Schwefelquelle und ihre Heilkraft unter der Bezeichnung "Faulborn" (Born = Brunnen) der umliegenden Bevölkerung schon seit Jahrhunderten. Die Quelle ist eine der an Schwefel reichsten kalten Mineralquellen Deutschlands, deren Wasser zu allen Zeiten bei Erkrankungen der Haut und der Atemorgane eingesetzt wurde und wird. Im Steuerbuch der Gemeinde Weilbach aus dem Jahre 1650 ist sie zum ersten Mal schriftlich erwähnt: Die Bewohner der umliegenden Dörfer hatten die Quelle mit starken Bohlen aus Eichenholz eingefaßt; jährlich wurde die Quelle durch die Feldschütze gereinigt, die für diese Arbeit von den Weilbacher Bürgern vier Käse und einen Laib Brot erhielten.
Zu wirklichem Leben erweckt wurde Bad Weilbach aber erst am Ende des 18. Jahrhunderts, als Kurfürst FRIEDRICH CARL JOSEPH VON ERTHAL (Kurfürst von 1774-1802) im Jahre 1783 den Auftrag gab, den bei der Suche einer Bergwerks- und Mineralbrunnenkommission nach Steinkohlevorkommen gefundenen versumpften Brunnen als Gesundbrunnen zu nutzen und die Quelle neu fassen zu lassen. Die kurfürstliche Regierung begann sofort damit, einen Heilwasserversand einzurichten und die Quelle für Kur- und Badebetrieb zu nutzen. Noch 1784 wurde der Brunnen durch einen Meister Laux ausgemauert; neben dem Brunnen entstand ein Haus für den Brunnenverwalter und ein Krugmagazin. 600 Krüge konnten im ersten Jahr verschickt werden. Seit 1785 wurde das Heilwasser an Stadtarme in Mainz verteilt, sehr bald danach eine Hauptniederlassung zum Wasservertrieb in Mainz eingerichtet mit einer Filiale in Flörsheim. Durch die ausbrechenden Revolutionskriege1792, in deren Verlauf Mainz und das Untermaingebiet von den Franzosen besetzt wurden und die kurfürstliche Regierung fliehen mußte, konnte ein wirklicher Kurbetrieb freilich nicht anlaufen. Als die Kriege 1815 vorüber waren, war Kurmainz aufgelöst. Das rechtsrheinische Gebiet des Kurstaats, zu dem auch Flörsheim und Bad Weilbach gehört hatten, war 1803 an das Fürstentum, spätere Herzogtum, Nassau gefaIlen.
Zunächst schien es, als hätte der Herzog von Nassau, in dessen Territorium solche berühmten Bäder wie Wiesbaden, Ems, Schwalbach und Schlangenbad lagen, kein Interesse an dem noch kleinen Weilbach: 1812 wurde die Quelle an die Flörsheimer JOHANN CONRADI und JACOB SOMMER verpachtet. Für den Bekanntheitsgrad des Weilbacher Wassers war der Übergang in private Hände allerdings von großem Vorteil. Die Pächter versuchten natürlich einen größtmöglichen Gewinn zu erzielen und investierten in den Wasserversand. Bald wurden mehr als 30.000 Krüge Wasser pro Jahr verschickt. Dies wiederum machte die herzogliche Verwaltung nun doch auf Bad Weilbach aufmerksam und führte dazu, dass ab 1822 der Brunnen wieder in Eigenverwaltung durch die herzogliche General-Domänen-Direktion geführt wurde. Von zentraler Bedeutung für die Entwicklung Bad Weilbachs waren dann die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts. 1832 umgab man den Brunnen mit einem Pavillon aus Gußeisen, etwa zur gleichen Zeit legte man die Umgebung des Brunnens und den Park gartengestalterisch mit Baumgruppen, Anlagen und Spazierwegen an. Eine sogenannte Mooshütte auf einer Anhöhe nahe der Schwefelquelle wurde zum Treffpunkt der Kurgäste nach der Trinkkur. Ein neues Wohnhaus für den Brunnenverwalter, ein Gebäude mit drei Badestuben, einem Gesellschaftszimmer und einem Raum für den Wasserversand entstanden ebenfalls. Neuer landschaftlicher Bezugspunkt wurde die noch heute existierende Platanenallee, die den Brunnenbezirk mit der Landstraße von Flörsheim nach Weilbach verband. Bis Mitte der dreißiger Jahre mieteten sich die Kurgäste in Weilbach, Wicker und Flörsheim ein, da Wohnräume in Bad Weilbach noch nicht vorhanden waren. Dies sollte sich 1837/38 ändern, da in diesen Jahren ein Kurhaus im klassizistischen Stil erbaut wurde, das Raum für 150 Gäste bot. An den Hauptbau schlossen sich mehrere Nebenbauten an. Großer Beliebtheit in damaliger Zeit erfreuten sich zwei Zimmer über den Stallungen, in welche man mittels Klappen die Ausdünstungen der Kühe einströmen lassen konnte! Das Kurhaus wurde stets verpachtet, so dass der Allgemeinvorteil verknüpft war mit privatwirtschaftlichem Interesse. Die Pächter des Kurhauses waren: PHILIPP SEEBOLD (1853-1860), GEORG DUCHMANN (1861-1891) und AUGUST ZEIGER (1891-1911). Im Kurhaus wohnte seit 1838 permanent ein Badearzt, die gesundheitliche Versorgung der Kurgäste war so sichergestellt.
Auch der Wasserversand blühte in der Nassauer Zeit des Kurbades: um 1857 wurden jährlich über 200.000 Krüge gefüllt. Eine Verbesserung des Kurangebotes brachte die Fassung einer zweiten Quelle (Natron-Lithion) im Jahre 1860. Nachdem Nassau im Jahre 1866, nach dem an der Seite Österreichs verloren Krieg gegen Preußen, von der Siegermacht dem preußischen Staat einverleibt worden war, fielen auch das Bad Weilbach und seine Verwaltung an den preußischen Fiskus. Für das Bad hatte dies aber zunächst keine Auswirkungen. Im Gegenteil: 1874 wurde ein neues Bade- und Inhalierhaus mit Kesselhaus für die Dampfheizung errichtet. Das Gebäude besaß vier große und acht kleine Badekabinette, einen Saal für gemeinsame Inhalation und einen Raum für Inhalation an Einzelapparaten. 1875 hatte das Bad mit 402 Gästen in der Saison seine "Blüte" erreicht. Was dazu führte, dass das Bad Weilbach seit den 1880er Jahren eine rückläufige Besucherzahl nachweist, kann letztlich nicht genau geklärt werden. Wie andere Dinge auch, war der Besuch eines Kurbades der Mode unterworfen. Bad Weilbach scheint unmodern geworden zu sein. 1891 kamen gerade noch 101 Person zur Kur. 1911 verkaufte der preußische Staat das unrentabel gewordene Bad für 90000,- Reichsmark an den "Reifensteiner Verein für Wirtschaftliche Frauenschulen auf dem Lande". Im Kurhaus eröffnete der Verein eine Haushaltungs-Schule und in den Jahren bis zum ersten Weltkrieg (1914-1918) eine Kolonialfrauenschule, wo junge Mädchen auf die Führung von Hauswirtschaften in den deutschen Kolonialgebieten ausgebildet wurden. |
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In dem Maße, in dem in einer veränderten modernen Welt der Beruf der Landfrau immer uninteressanter wurde, war das große Kurhaus für den Reifensteiner Verein unrentabel geworden. 1968 verkaufte der Verein das schon lange in einen Dornröschenschlaf gefallene Bad Weilbach an eine Bank, die die Anlage 1980 an verschiedene Interessenten weiterverkaufte. Die Stadt Flörsheim konnte die Schwefelquelle und große Teile des Parks erwerben. Die achtziger Jahre unseres Jahrhunderts waren für Bad Weilbach dann ähnlich denen 150 Jahre vorher. Mit hohem finanziellen Aufwand sanierte die Stadt Flörsheim den Schwefelbrunnen, die Platanenallee und den Park. Ein privater Investor sanierte das Kurhaus und baute es innen zu Wohnungen aus. In den letzten Jahren bemühte sich die Stadt Flörsheim, Grundstücke um das Bad Weilbach in der Absicht anzukaufen, den bestehenden Park zu erweitern. 1993 kam noch die Natron- Lithion-Quelle in den Besitz der Stadt. Dies Faltblatt kann also keine abschließenden Bemerkungen zum Bad Weilbach machen. Zwar präsentiert sich die Anlage schon heute als zentrales Naherholungsgebiet für die Flörsheimer Stadtteile, doch ist sein Ausbau noch lange nicht vollendet. Nehmen Sie sich die Zeit, einmal in aller Ruhe die Platanenallee entlang zu gehen, trinken Sie das Wasser und entspannen Sie sich im Park. Oder feiern Sie mit den Anwohnern das Brunnenfest, das jedes Jahr an Pfingsten stattfindet. |
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